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(13.04.2006/AK) Die neue Fernsehserie "Big Love" hat in den USA eine Debatte über die Mehrehe ausgelöst.
Bill Henrickson hat drei Frauen. Er liebt Barb, Nicki und Margene. Sie lieben ihn. Und alle drei sind gute Freunde. Ein neues Serienformat im TV, in dem ein Mann, drei Frauen und sieben gemeinsame Kinder ihren polygamen Traum mitten in einer idyllischen Vorstadt von Salt Lake City ausleben.
"Big Love" läuft zwar erst seit drei Wochen beim US-Bezahlsender HBO, und die Einschaltquoten waren mit drei bis vier Millionen pro Folge bisher alles andere als berauschend. Doch in der Öffentlichkeit löste die unter anderem von Tom Hanks produzierte Serie heftige Debatten aus. Die Mormonenkirche erwirkte die Einspielung einer Erklärung, wonach sie sich von Polygamie distanziere. Sie glaubt, die Serie würde einen Lebensstil glorifizieren, dem die Kirche schon vor 116 Jahren abschwor. Die komplexe Beziehungsdynamik in polygamen Familien sei in Wahrheit eine Brutstätte für Gewalt, Missbrauch und erzwungene Ehen, oft mit Minderjährigen. Radikale Polygamisten sehen das genau umgekehrt. Die Serie sei "nichts anderes als abstoßende Pornografie" mit dem Ziel, Polygamie schlecht zu machen, heißt es in einem Leserbrief in der "Salt Lake Tribune". "Offenbar glauben die Produzenten, dass sich praktizierende Polygamisten in ihrer Freizeit ausschließlich fortpflanzen. Das ist eine schreckliche Beleidigung jener, die glauben, dass die mehrfache Ehe ein geheiligtes Prinzip ist." Die "New York Times" lud jüngst sogar Frauen, die - trotz Verbots in den USA - in polygamen Ehen sind oder waren, zur gemeinschaftlichen "Big Love"-Begutachtung. Erster Kommentar: "Igitt. Eine Sexszene. Und das gleich am Anfang." Sie sehen die Serie insgesamt aber als gesellschaftlichen Wendepunkt: "Es ist ein realistischerer Blick auf eine polygame Familie als bisher", erklärt eine der Frauen in der "NYT". "Es wird als legitimer alternativer Lebensstil angesehen, den mündige Erwachsene gemeinsam gewählt haben." "Polygamisten, vereinigt euch!" titelte das Magazin "Newsweek" kürzlich. Nach der Debatte in den USA über die Homosexuellen-Ehe sei die Forderung nach einer Polygamie- Dekriminalisierung ein logischer Schritt, meinen manche Kommentatoren. Ihr Argument (das bei Schwulen- und Lesbengruppen auf wenig Zustimmung stößt): Die traditionelle Ehe sei als Gemeinschaft zwischen zwei andersgeschlechtlichen Partnern definiert. Wenn also schon die Geschlechterfrage als Diskriminierung gelte, warum nicht auch die Beschränkung auf zwei Partner? Experten schätzen, dass zwischen 30.000 und 50.000 Menschen in den USA polygam leben - hauptsächlich Anhänger einer Form des Mormonismus. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die offizielle Mormonenkirche, betont stets, dass sie Polygamie bereits 1890 verboten habe und ertappte Polygamisten rigoros ausschließe. |