(13.07.2006/Playboy) Besonders dort, wo sie Spielsachen für Männer und Frauen bereithält. Denn die Freude an all den schönen Dingen wird uns Männern gründlich vermiest. Fahren wir Porsche, kompensieren wir damit mangelnde Potenz. Kaufen wir uns ein Motorrad, befinden wir uns gerade in der Midlife-Crisis. Blitzt die teure Uhr aus sächsischer Produktion ein wenig zu weit unter der Manschette hervor, ist sie sofort ein Indiz für Protzerei. Und die zwanzig Jahre jüngere Begleitung an unserer Seite kommentieren Frauen in etwa so: „Oh weh, der hat’s aber nötig.“ Findet ein Mann dann auch noch Spaß daran, sein Einstecktuch passend zur Krawatte zu wählen, trifft ihn der härteste aller Vorwürfe: „Sag mal, bist du eigentlich schwul?“
Bei Frauen ist das natürlich alles anders. Ganz anders. Startet eine Frau ihren 911er, kann sie sich bewundernder Blicke im Rückspiegel sicher sein. Frauen dürfen sich den schönen Dingen hemmungslos hingeben. Sie dürfen sich über Äußerlichkeiten definieren und ihre Tage damit verbringen, die Oberfläche ihres Egos zu polieren. Wenn sich eine Frau ihre dreiundvierzigste Handtasche kauft, „weil die doch zu den Schuhen passen muss“, wird niemand sie fragen: „Bist du eigentlich lesbisch?“ Natürlich, es muss ein verdammt bitterer Moment für eine Frau sein, wenn ihr eine 20-jährige Verkäuferin Produktmuster für die reifere Haut mitgibt. Aber dass dieses Erlebnis so sehr an ihrem Ego kratzt, dass sie nur aus diesem Grund den Motorradführerschein macht oder sich das siebenundachtzigste Paar Schuhe kauft – darauf käme kein Mann. Denn schließlich kauft sich eine Frau ohnehin ihr Leben lang Schuhe. Und Motorradfahren, sagt sie selbst, sei bei ihr Ausdruck von Stärke und Emanzipation – niemals jedoch, wie angeblich bei uns Männern, ein Zeichen für die Midlife-Crisis oder gar die sexuelle Tempo-30-Zone. Können Frauen – im Gegensatz zu uns Männern – nicht auch endlich dazu stehen, einen Mann nach äußeren Qualitäten auszuwählen? Können sie nicht einmal ehrlich sein und damit aufhören, ewig unsere inneren Werte zu suchen? Wenn Frauen bei Männern mehr auf Äußerlichkeiten achten würden, müsste ein Flavio Briatore im Fitnessstudio schleunigst seinen Bauch wegtrainieren. Dann könnten wir uns endlich hemmungslos den verfeinerten Lebensformen hingeben. Wir müssten ein Hot Dog plus Sixpack nicht mehr für ein 7-Gänge-Menü halten. Wir würden fortan in guten Schuhen herumlaufen. Wir würden den Binnenmarkt mit dem Kauf schöner Dinge ankurbeln. Und wir bräuchten auch nicht mehr im klassischen Männerzimmer zu hausen – bestehend aus Sperrmüllsofa plus Bierdosenhalter und Großbildfernseher. Kurz: Wir könnten endlich alles tun und lassen, was uns Spaß macht. Okay, das machen wir jetzt auch schon – aber dann könnten wir’s endlich ohne Reue tun! Niemand würde uns noch blöde anquatschen, wenn wir schnelle Autos, junge Frauen und teure Uhren begehren. Wenn Frauen endlich damit aufhören würden, die inneren Werte beim Mann zu suchen, wäre die Welt nicht nur schöner, sie wäre auch ehrlicher: Männer müssten sich nicht länger bei Frauen einschleichen, indem sie ihre inneren Werte nach außen kehren. Sie könnten X-Large-Cohibas genießen, Zegna-Anzüge sammeln und Porsche fahren – ohne sich erklären zu müssen, weil niemand für unsere Freuden eine Erklärung bräuchte. Schön wär’s schon. |