(25.02.2007/express.de) "Schließ deine Augen. Kannst du dir vorstellen, dass ich in deiner Zimmertür stehe? Komm zu mir. Du stellst dich vor mich. Zieh dich aus. Ich möchte, dass du nackt bist für mich..."
Eine sinnliche Stimme entlockt den Männern ihre Lust. Die Stimme gehört Nicole Kuhlert (37). Telefonsex ist ihr Leben. Ihre Sucht. Ihr Beruf.
In fünf Jahren hatte Nicole 20.000 Männer in der Leitung. Heute hat sie eine eigene Telefonsex-Agentur mit 25 Mitarbeiterinnen. Und packt aus über ihr Leben mit der Telefon-Lust.
Nacht für Nacht dringt Stöhnen durch die Fenster des adretten Einfamilienhauses in Deutsch Evern bei Lüneburg. "Ich liege auf meinem Sofa, schließe die Augen. Wenn mir die Phantasien eines Mannes nicht gefallen, biete ich eben eine Dienstleistung. Aber ich habe auch oft Orgasmen beim Telefonsex" behauptet Nicoles Samtstimme im EXPRESS-Gespräch.
Nebenbei bügeln? Manche Sex-Dienstleisterinnen können das angeblich. Lena (23) etwa erzählt: "Es gibt Kolleginnen, die machen nebenbei Kreuzworträtsel oder ihre Steuererklärung. "Auch eine andere Sex-Dienstleisterin staunt: "Kunden denken teilweise wirklich, ich liege nackt im Bett, dabei bügle ich nebenbei."
Für Nicole allerdings undenkbar: Wenn sie sich mit Frotteepyjama und Wollsocken an die Arbeit macht, ist sie "voll bei der Sache. Denn wenn man eine halbe Minute zögert, legen die Männer auf, schließlich kosten die Anrufe ja Geld."
Die Kehrseite ihrer durchstöhnten Nächte ist ein Privatleben, das in Trümmern liegt: "Echten Sex mit meinem Freund Marc habe ich nur noch so alle zwei Jahre." Marc (37) findet das "scheiße", gibt Nicole unumwunden zu, "er ist eifersüchtig".
Schließlich lebte der Postangestellte mit seiner Liebsten 23 Jahre lang ein ganz normales Leben, bis Nicole den Job an der Schwimmbad-Kasse, die Fernseh-Abende und den Normalo-Sex satt hatte. Eines Nachts sah sie beim Zappen die Ruf-mich-an-Reklame. Ihre Geschäftsidee war geboren. Heute, fünf Jahre später, hat Nicole sogar ein Buch geschrieben "Die Nummer mit der Nummer".
Nicole, die Stimme der Nacht. Mittlerweile ist sie süchtig nach ihren "Jungs", wie sie ihre Telefon-Freier nennt. "Ja, ich bin süchtig nach Telefonsex", gesteht sie. Süchtig nach dem Gefühl, die Lust der Männer zu beherrschen: "Die Männer haben einen Höhepunkt " nur mit meiner Stimme. Dieser Gedanke erregt mich", sagt die Frau mit der schwarzen Hornbrille, dem Baumwollhemd und dem Wollpullover.
Dafür, dass sie immer in den Köpfen ihrer Telefonfreier ist, sorgt Nicole ganz bewusst mit diesem infamen Abschiedssatz: "Hast du eine Frau? Ich möchte, dass du an mich denkst, wenn du in sie eindringst."
Einmal ertappte eine dieser Frauen ihren Mann in flagranti. Und Nicole wurde Zeugin des folgenden Dialogs: Sie: "Was machst du da???" Er knapp: "Mach die Tür zu!!!" Nicole findet das gemein dem Partner gegenüber, aber menschlich.
Gemein dem Partner gegenüber ist auch Nicoles Aussage: "Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Marc und dem Telefonsex, ich würde mich für den Telefonsex entscheiden." |